Wenn Fachbereiche Bestellungen außerhalb des Systems tätigen, geht genau das verloren, was eigentlich geschützt werden soll, nämlich Transparenz und Compliance. Die Lösung liegt nicht in mehr Freigaben, sondern in besseren Strukturen.

In vielen Unternehmen wird Beschaffung noch immer als ein Balanceakt zwischen zwei scheinbar widersprüchlichen Zielen betrachtet. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Geschwindigkeit. Fachbereiche wollen schnell bestellen, Projekte müssen Termine halten und operative Teams benötigen Materialien oder Dienstleistungen ohne lange Wartezeiten. Auf der anderen Seite steht der Anspruch auf Kontrolle. Compliance-Vorgaben, Freigabeprozesse und Lieferantenprüfungen sollen sicherstellen, dass Beschaffung transparent und regelkonform abläuft.
Diese beiden Ziele werden oft als Gegensätze verstanden. Je schneller ein Prozess wird, desto größer scheint das Risiko für Kontrollverlust. Und je stärker Prozesse kontrolliert werden, desto langsamer werden sie. In der Realität entsteht dieser Konflikt jedoch meist nicht durch Geschwindigkeit selbst, sondern durch schlecht gestaltete Prozesse.
Viele Einkaufsorganisationen haben über Jahre Strukturen aufgebaut, die in erster Linie darauf ausgelegt sind, Risiken zu minimieren. Mehrere Freigaben, detaillierte Prüfungen und umfangreiche Dokumentation sorgen dafür, dass Beschaffungen nachvollziehbar bleiben. Diese Mechanismen erfüllen eine wichtige Funktion. Gleichzeitig verlängern sie häufig die Zeit zwischen Bedarf und Bestellung erheblich.
Für Fachbereiche entsteht dadurch ein Spannungsfeld. Projekte stehen unter Zeitdruck und benötigen schnelle Entscheidungen. Wenn Beschaffungsprozesse jedoch mehrere Abstimmungsschleifen und administrative Schritte erfordern, wirkt der Einkauf schnell wie ein Bremsfaktor. In der Folge suchen Teams nach eigenen Lösungen, kontaktieren Lieferanten direkt oder organisieren Beschaffungen außerhalb der etablierten Prozesse.
Ironischerweise führt genau dieser Versuch, Geschwindigkeit zu erhöhen, häufig zu weniger Kontrolle. Bestellungen entstehen außerhalb der vorgesehenen Strukturen, Transparenz geht verloren und Compliance-Regeln werden schwieriger durchzusetzen.
Die meisten Verzögerungen im Einkauf entstehen nicht durch die eigentliche Beschaffung. Sie entstehen durch die Komplexität der Prozesse rund um die Bestellung. Lieferanten müssen gesucht werden, Angebote werden eingeholt und verglichen, interne Abstimmungen finden statt und neue Kreditoren werden im System angelegt.
Gerade bei indirekten Bedarfen und einmaligen Beschaffungen entsteht dadurch ein unverhältnismäßig hoher Aufwand. Eine kleine Bestellung kann mehrere Tage Abstimmung und administrative Arbeit verursachen, obwohl der eigentliche Beschaffungswert überschaubar ist.
Das Problem liegt also weniger in der Kontrolle selbst, sondern in der Art und Weise, wie Kontrolle organisiert wird. Wenn Prozesse viele einzelne Schritte enthalten und Verantwortlichkeiten unklar verteilt sind, verlängert sich automatisch die Zeit bis zur Bestellung.
Unternehmen, die Beschaffungsprozesse gezielt neu gestalten, zeigen, dass Geschwindigkeit und Kontrolle kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend ist dabei eine klare Strukturierung der Prozesse.
Standardisierte Beschaffungen können stark vereinfacht werden, während komplexe oder strategische Beschaffungen weiterhin intensiver geprüft werden. Gleichzeitig hilft eine klare Transparenz über Bedarfe und Lieferanten dabei, Entscheidungen schneller zu treffen, ohne auf Compliance zu verzichten.
Ein weiterer wichtiger Hebel liegt in der Reduktion operativer Komplexität. Wenn weniger Lieferanten verwaltet werden müssen und administrative Schritte vereinfacht werden, verkürzt sich die Zeit zwischen Bedarf und Bestellung automatisch.
Viele Organisationen beginnen damit, ihre Beschaffungsprozesse ganzheitlich zu analysieren. Dabei wird sichtbar, an welchen Stellen Wartezeiten entstehen und welche Schritte tatsächlich notwendig sind.
Ein häufiger Ansatz besteht darin, Einmalbeschaffungen und seltene Bedarfe anders zu behandeln als strategische Einkaufsprojekte. Gerade bei diesen kleineren Beschaffungen verursacht die Anlage neuer Lieferanten und die vollständige Durchführung eines klassischen Einkaufsprozesses oft mehr Aufwand als Nutzen.
Hier setzen Modelle an, die administrative Komplexität reduzieren und gleichzeitig klare Strukturen schaffen. Ein Beispiel dafür ist das 1-Kreditor-Modell. Unternehmen legen dabei einen zentralen Kreditor im System an und können verschiedene einmalige oder indirekte Beschaffungen über diesen einen Lieferanten abwickeln.
Pedlar verfolgt genau diesen Ansatz. Unternehmen integrieren Pedlar einmal als Kreditor in ihrem System und können anschließend viele unstrukturierte Beschaffungen über diesen zentralen Ansprechpartner abwickeln. Im Hintergrund übernimmt Pedlar die operative Beschaffung mit den jeweiligen Lieferanten und organisiert Bestellungen und Abstimmungen.
Für das Unternehmen bleibt der Prozess deutlich schlanker. Gleichzeitig bleibt die Beschaffung vollständig im bestehenden System sichtbar und nachvollziehbar. Kontrolle und Compliance bleiben erhalten, während die operative Abwicklung deutlich schneller wird.
Die Vorstellung, dass Geschwindigkeit automatisch zu weniger Kontrolle führt, beruht oft auf der Annahme, dass Prozesse nur durch zusätzliche Prüfungen sicherer werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gut gestaltete Strukturen häufig sowohl schneller als auch kontrollierter sind.
Wenn Beschaffungsprozesse klar organisiert sind, Verantwortlichkeiten eindeutig verteilt werden und operative Komplexität reduziert wird, entsteht eine Umgebung, in der Bestellungen schneller ausgelöst werden können und gleichzeitig transparenter bleiben.
Für Einkaufsorganisationen bedeutet das einen wichtigen Perspektivwechsel. Geschwindigkeit und Kontrolle sind keine Gegensätze. Sie sind vielmehr zwei Ergebnisse eines gut strukturierten Beschaffungsprozesses.
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